Ein Kommissar in einem zerknitterten Mantel beugt sich über einen Laptop, auf dem eine Tonbandspule leuchtet, daneben drei schimmernde Symbole: ein Dashboard, ein KI-Chip und ein tropfender Schraubenschlüssel.
Security Case von Kai Brenner

KW 33, Kapitel 1: Die Taktgeber von Klevandon: Metabase, Flowise und eine Wanze im Sonatype Nexus Repository Manager

Montagmorgen, das Präsidium roch nach Desinfektionsmittel und der vergeblichen Hoffnung auf Teilchen. Dr. Küster schob mir einen Kopfhörer über die Tischkante, bevor ich den ersten Kaffee in der Hand hatte. „Anonyme Zusendung, Herr Niesel. Die Spracherkennungs-KI hat Alarm geschlagen, weil das Wort ‚unanfechtbarer Zugriff‘ zu oft fiel. Über ein abgehörtes DECT-Telefonat, bei dem einer seinen eigenen Laden sturmreif feiert.“ Ich drückte auf Start und hörte eine selbstsichere junge Stimme, die prahlte, als wäre sie der Alleinunterhalter einer Kryptokonferenz.

„Klevandon hält sich für uneinnehmbar. Metabase? Die haben CVE-2026-27464 offen wie einen Marktstand am Samstagmorgen – ich hab eine SQL-Injection ohne Anmeldung gemacht, zack, Adminrechte und alle Datenbanken frei Haus. Als wäre man mit einem Nachschlüssel ins Rathaus spaziert, und der Pförtner schenkt einem einen Kaffee ein. Dann Flowise, die KI-Spielwiese der Entwickler: Ich hab dem KI-Agenten über CVE-2026-40933 ein vergiftetes Prompt untergeschoben, das aussah wie eine harmlose Bestellung beim Schreibwarenladen – in Wirklichkeit ein blind ergebener Butler, der jede Tür öffnet, egal was auf dem Schild steht. Die KI befolgte meine Befehle, als wäre ich der Oberbefehlshaber fürs Laterale-Netzwerk-Ballett. Und dann Sonatype Nexus Repository Manager, der Quellcode-Tresor, dessen Sicherheitslücken sie alle ignoriert haben: CVE-2026-14646 – eine simple Server-Side-Request-Forgery, ich lasse den Server in meinem Auftrag Anfragen ins interne Netz schicken, die von außen niemand je zu sehen bekommt. Dazu ein persistenter JavaScript-Merker in der Weboberfläche wie ein Kellner mit Fotogedächtnis, der sich jeden Gast merkt – nur dass er die gesamte Codebasis im Griff hat. Die sitzen auf ihrer Datengoldgrube, und ich steuere den Bagger vom Nachbargrundstück mit einem geliehenen Walkie-Talkie.“ Eine zweite Stimme brummelte anerkennend: „Cipher, du spinnst. Aber wenn’s klappt, spendier ich die nächste Runde.“ Dann klirrte eine Tasse und plötzlich dröhnte ein zweitöniger Gong im Hintergrund: „Nächster Halt: Karl-Georg-Ring, Ausstieg in Fahrtrichtung links!“ Stille.

Ich riss den Kopfhörer runter, während Küster bereits auf ihrem Tablet fuchtelte. „Der Gong ist die S-Bahn-Linie 5, Haltepunkt am Karl-Georg-Ring, Café ‚Bohne und Gleis‘ mit Außensitzfläche direkt am Bahnsteig. Der Anruf kam von dort, wahrscheinlich aus der Telefonzelle daneben. Die zweite Stimme nennt den Prahler ‚Cipher‘ – ein Alias. Und ganz leise im Spektrogramm höre ich noch den Namen ‚Mona‘, vermutlich eine Begleitperson. Weder Cipher noch Mona stehen in irgendeiner Klevandon-Personalliste; die haben sich heute Morgen einen eigenen Club gebaut.“ Adelheid von Senff steckte den Kopf durch die Tür und fragte reflexartig: „Brauchen Sie Beruhigungstropfen oder die Dienstwaffe?“ „Wir brauchen den Café-Besitzer und seine Sicherheitsaufnahmen. Die neuen Taktgeber haben heute zugeschlagen und dabei eine Telefonzelle benutzt, deren Echo alle drei Minuten von einer S-Bahn-Durchsage übertönt wird – das ist ihr Rhythmusfehler. Außerdem sofort Klevandons IT warnen: Metabase vom Netz, Flowise in Offline-Zwang, alle Sonatype Nexus Repository Manager-Zugänge sperren!“

Zehn Minuten später stolperte ich im Café fast über einen Riesenbecher Karamellsirup und brüllte den Besitzer so dermaßen an, ob er das Video behalten habe, dass die Milchdüse einen Schaumstrahl quer über die Theke schoss. Adelheid drückte dem armen Mann mit einer Hand ihre Karte in die Finger, während sie mit der anderen meine Dienstmarke hochhielt. Der Bebrillte, ein Gregor Torwald, reichte mir ein altersschwaches Smartphone mit Cloud-Aufzeichnung. Wir sahen die verschwommene Kamera – und um 08:23 Uhr eine schlanke Gestalt mit Kapuzenpulli und neongelbem Telefon in der Telefonzelle, sechs Minuten gestikulierend, kurz darauf eine zweite Gestalt mit gleicher Kapuzenmarke und Thermoskanne, die vorbeizog. Sie hatten sich in aller Frühe getroffen und Cipher hatte unmittelbar danach telefoniert.

Mit den Algorithmen des Landeskriminalamts ließ sich das Gesicht des Prahlers aus dem verschwommenen Material rekonstruieren – ein konkreter Schritt, nicht nur eine leere Bedrohung. Das Netz zog sich zu, die Taktgeber wussten es nur noch nicht. Adelheid bekam den Auftrag, die Originalaufnahme zu sichern und die Bildforensik zu alarmieren. „Diese Bande hat einen Fehler gemacht, der uns ihren eigenen Rhythmus diktiert“, sagte ich zu Küster, während Torwald mir in weiser Voraussicht einen Espresso über den Tresen schob. „Und jetzt rufen Sie bitte Klevandon an und sagen Sie ihnen, dass sie ab sofort kein Aquarium mehr sind, aus dem jeder mit einem geliehenen Walkie-Talkie schöpfen kann.“ Im Hintergrund dröhnte erneut der Gong, die nächste S-Bahn rollte an, und für einen Moment hörte sich das tatsächlich nach einem Takt an, dem ich folgen konnte.

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