Cartoon-Kommissar blickt auf einen Laptop mit Darknet-Forum, während ein weißer Lieferwagen durch den Stadtverkehr flieht, ein vermummter Hacker grinst, darüber eine große Uhr mit 11:58.
Security Case · Serie von Kai Brenner

KW 34, Kapitel 4: Post aus dem Darknet

Freitagmorgen, 21. August. Um acht Uhr dreißig steckt Küster den Kopf durch die Tür und hält ihr Tablet hoch, als hätte sie eine heiße Currywurst gefunden. »Der Hacker hat im Darknet gepostet. In einem Forum, das wir seit Wochen beobachten. Da prahlt er mit dem neuesten Coup gegen Lomestra.« Sie liest vor. Der Hacker schreibt mit diesem scharfen S, das durch jede Zeile zischt: »Erst habe ich einem Mitarbeiter eine Meldung untergejubelt, die aussah wie eine interne Sicherheitswarnung. Ein Klick auf den Link, und ich war in seinem Google Chrome drin – Edge wäre genauso gegangen. CVE-2026-5874, falls jemand mitliest. Das ist wie ein Kellner, der die Speisekarte nach dem Druck mit unsichtbarer Tinte ändert, damit der Gast genau das bestellt, was ich servieren will. Dann, auf einem ihrer Linux-Server, habe ich mit CVE-2026-31431 aus meinem mickrigen User einen root gemacht – wie ein Statist, der sich im laufenden Stück einfach die Rolle des Regisseurs aneignet. Und zum Schluss der HashiCorp Vault Secrets Operator: Da ich auf dem Knoten schon root war, konnte ich mich als privilegierter Dienst ausgeben und die Lücke CVE-2026-8715 nutzen. Dieser Operator verwaltet alle Zugangsdaten wie ein Platzanweiser die Sitzplätze. Ich durfte die Sitzplatznummern umschreiben und mich selbst in die VIP-Loge setzen. Jetzt habe ich noch mehr Daten. Wenn bis zwölf kein Geld da ist, geht alles raus.« Niesel spürt, wie die Frist auf seiner Stirn tickt.

Küster scrollt. »Der Post enthält ein Foto aus dem Versteck. Die Bande hat vergessen, die EXIF-Daten zu löschen. Die Koordinaten zeigen auf die Halle drei, hinter dem alten Stellwerk – das ist konkreter als alles, was wir bisher haben.« Das ist der Fehler, auf den ich seit Tagen warte. Ich brülle kurz, dass Eitelkeit der beste Zeuge ist, und scheuche alle ins Auto. Die Observation am Güterbahnhof meldet gleichzeitig: Ein weißer Lieferwagen verlässt das Gelände, mit zwei Personen, einer davon im Kapuzenpulli.

Wir hängen uns an den Wagen. Ich fahre, Adelheid dirigiert, Küster hält die Verbindung zur Observation. Der Verkehr ist zäh wie kalter Pudding. Der Lieferwagen schlängelt sich über die Ausfallstraße, wechselt plötzlich die Spur, als hätte er uns bemerkt. Ich brülle etwas über Sinn und Zweck von Blinkern, während Adelheid mir versichert, dass der Wagen gleich links abbiegt. Da schert ein Bus vor uns ein, und der Lieferwagen ist weg. Ich trete auf die Bremse und schreie den Bus an, dass er aussieht wie eine fahrende Litfaßsäule, aber er antwortet nicht. Als wir freie Sicht haben, ist der Wagen verschwunden. Ich schlage auf das Lenkrad. Adelheid sagt: »Chef, das ist ärgerlich, aber wir haben immer noch die Koordinaten.«

Am alten Güterbahnhof, Halle drei, finden wir das Versteck verlassen. Auf dem Tisch liegt ein aufgeklappter Laptop, der Bildschirm zeigt noch das Darknet-Forum. Küster zieht ihn vorsichtig in einen Faraday-Beutel. »Wenn er nicht ferngesteuert gelöscht wurde, könnte das unsere beste Spur sein.« Neben dem Laptop liegt ein Zettel: »Zahlungseingang bis 12:00 Uhr auf das bekannte Konto. Danach: Veröffentlichung.« Ich sehe auf die Uhr. Es ist 11:58 Uhr. Draußen heult eine Sirene, aber sie ist nicht für uns.

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