Montag, 12. Oktober 2026. Kommissar Norbert Niesel starrte in der Einsatzzentrale auf seinen Kaffeebecher, der verdächtig nach Spülmittel roch, als Dr. Irmgard Küster hereinstürmte und ein Formular wedelte: „Chef, bevor ich was sage – tragen Sie das als Fall 2026-10-12-01 ein. Sonst darf ich laut Datenschutzrichtlinie keine Details nennen.“ Niesel verdrehte die Augen, kritzelte eine Unterschrift und brummte: „Wenn das wieder so ein Montag wird wie der Geruch in meinem Becher, dann gute Nacht.“ Adelheid von Senff löffelte unbeeindruckt einen Joghurt und kommentierte: „Du solltest vielleicht mal den Becher spülen. Aber egal – was ist los?“ Küster warf eine Meldung auf den Tisch: „Aurvendalis, ein Medienunternehmen, wurde gehackt. Dreifach. Die setzen GStreamer für Videoverarbeitung ein, Zammad für den Support und eine Node.js-Anwendung mit MariaDB fürs Kundenportal. Und irgendein Idiot hat alle drei Lücken an einem Vormittag ausgenutzt – vermutlich dieselbe Bande.“ Niesel nahm einen Schluck Kaffee, verzog das Gesicht und sagte: „Dann lass uns mal schauen, ob der Idiot auch seine Fingerabdrücke hinterlassen hat.“
Eine Stunde später standen Niesel und Senff bei Aurvendalis. Der Geschäftsführer, ein nervöser Mann namens Herr Dröse, führte sie in einen Konferenzraum, in dem eine Thermoskanne mit dampfender Suppe stand. Senff schnupperte: „Das riecht nach demselben Zeug wie im letzten Fall. Kann ich für die Spesenabrechnung einen Kaffee als ‚dringend benötigtes Ermittlungsgetränk‘ absetzen?“ Dröse starrte sie nur fassungslos an, während Küster aus dem Büro anrief: „Chef, ich hab die Logs durch. Erstzugriff über CVE-2026-73433 in GStreamer – eine Out-of-bounds-Schwachstelle im AVI-Demuxer. Jemand hat eine präparierte Videodatei eingeschleust, und als ein Mitarbeiter sie abspielte, wurde Code ausgeführt. Das ist der Anfang der Kette.“ Niesel nickte und notierte: „Gut geklaut, aber von wem?“
Plötzlich klingelte das Telefon. V-Mann Eddie meldete sich aufgeregt: „Ich war in der Bahnhofskneipe ‚Zum letzten Gleis‘. Zwei Typen haben über Aurvendalis geredet. Hab’s auf Kassette aufgenommen.“ Die Kassette, die er Minuten später überreichte, war mit einem Kaugummi zugeklebt, was Niesel fast zur Explosion brachte. „Wer klebt denn ein Beweisstück mit Kaugummi zu?! Das ist kein Sammelalbum!“ Nach drei Minuten wütendem Gekratze und einer fast zerkratzten Kassette knackte die Aufnahme. Eine Stimme prahlte: „Und dann hab ich, Malte Morgenrot, der beste Hacker der Restposten-Ritter, zugeschlagen.“ Bruno Backstein, der andere, grunzte anerkennend. Adelheid tippte Niesel an: „Na bitte. Ein Bandenname. Klingt wie ein Versandhaus für abgelaufene Gummibärchen.“
In der Aufnahme erklärte Morgenrot die Lücken, als würde er eine Märchenstunde halten: „Erst hab ich denen ein Bewerbungsvideo geschickt – so ein nettes Ding mit singenden Katzen. Aber unter der Haube steckte eine manipulierte AVI-Datei. Als die Personalabteilung das abspielte, ist mein Code aus dem Dateibäuchlein gesprungen – wie ein Gummiball, der aus dem Fernseher hüpft. Das war CVE-2026-73433, ein Pufferüberlauf, bei dem man mehr reinpackt als reinpasst. Danach war ich drin, aber nur als einfacher Benutzer. Also hab ich mir die Zammad-Installation angesehen. Die haben da eine Support-Software, die jedem Nutzer erlaubt, seine Rechte zu erweitern, wenn man weiß, wo man drückt – CVE-2026-102490. Das ist wie ein Azubi, der zufällig das Passwort des Chefs auf einem Post-it in der Kaffeeküche findet. Damit war ich Administrator. Und dann kam der schönste Teil: Die Datenbank. Die läuft über Node.js mit MariaDB Connector. Und da gibt es eine SQL-Injection, CVE-2026-55855. Ich hab einfach die Parameter so verbogen, dass meine Bestellung nicht mehr ein Stück Torte war, sondern die ganze Torte – alle Kundendaten, alle Verträge, alles. Und ich hab mir einen Hintertür-Account angelegt, den keiner sieht.“ Bruno Backstein lachte dumpf: „Du und deine Tortenvergleiche.“
Als Morgenrot schließlich sagte: „Ich muss noch schnell zur alten Tankstelle an der B 14 – Bruno, du bringst die Klamotten weg“, sprang Niesel auf. Er und Senff rasten zur Tankstelle. Dort fanden sie nur eine Plastiktüte mit einem Kassenbon von Aurvendalis, auf dem „1x belegtes Brötchen, 1x Kaffee“ stand. Fingerabdrücke waren drauf. Die Bande blieb verschwunden, aber der Kassenbon war die erste heiße Spur. Niesel starrte auf den Bon und murmelte: „Die Restposten-Ritter – was für ein alberner Name. Aber zumindest kaufen die anständig ein.“