Dienstag, 25. August 2026, 08:12 Uhr. Kommissar Norbert Niesel stürmte in die Einsatzzentrale, den Mantel halb über der Schulter, in der Hand ein angebissenes Brötchen. Adelheid von Senff und Dr. Irmgard Küster hingen bereits über der Auswertung des USB-Sticks. Niesel bellte: „Wo ist Formular 17 B? Und warum riecht es hier nach Energiedrink mit Waldmeister?" Dr. Küster winkte ab. „Ruhe, Kommissar. Der Stick hat eine versteckte Partition mit einer Sprachmemo. Motte hat sich darin selbst verewigt." Sie drückte Play. Eine hohe, zufriedene Stimme erklang: „Berti, hier ist Motte. Hör zu, ich hab Trakumond heute Nacht noch mal aufgesperrt. Zuerst Keycloak – dieses Programm, das die Benutzerkonten verwaltet wie ein Vereinskassierer, der die Mitgliedskarten ausgibt. Mit dem Vertriebslogin aus der Datenbeute von gestern und der Keycloak-Lücke CVE-2026-33870 konnte ich den Sicherheitskontrollen einflüstern, ich sei der langjährigste Kunde. Zack, war ich nicht mehr nur der Vertrieb, sondern hatte gleich drei Konten mit Sonderrechten." Niesel kniff die Augen zusammen. „Ein Vereinskassierer? Was labert der?"
Motte redete unbeeindruckt weiter: „Dann der Linux-Rechner, halb so wild. Ich hatte da schon einen normalen Benutzer, den ich mir über Keycloak besorgt hatte. Die util-linux-Lücke CVE-2026-27456 war wie eine Hotelklingel: Man drückt einmal, und der Zimmerdiener bringt einem nicht nur den Kaffee, sondern die Zutrittskarte zur Rezeption gleich mit. Also war ich auf der Kiste Administrator." Niesel warf Adelheid einen Blick zu. „Hören Sie? Er klingelt nach Kaffee und kriegt die Rezeption." Adelheid schrieb mit. „Er beschreibt eine Rechteausweitung, Kommissar. Und er nennt die CVE." Motte lachte trocken. „Zum Abschluss Notepad++. Der Buchhaltungsrechner hatte die Schwachstelle CVE-2026-5525. Die funktionierte wie ein Papagei im Büro: Man redet freundlich mit ihm, und er plappert die Windows-Anmeldedaten nach. Jetzt habe ich einen nächtlichen Papagei, der schön brav die Buchhaltung ausplaudert und Dateien abwirft."
Motte wurde leiser, fast vertraulich. „Damit ist Phase zwei gegen Trakumond gelaufen, Berti. Heute Abend erpressen wir sie mit den Windows-Konten. Sag den Jungs, sie sollen den Papagei füttern." Ein knackendes Geräusch, dann Stille. Niesel trat gegen den Tisch. „Süß ist an dem gar nichts! Erst der Kuchenteller, jetzt der Papagei!" Dr. Küster hob den Finger. „Kommissar, die Datei enthält mehr als nur die Worte. Im Header steckt die Gerätekennung eines chinesischen Billig-Handys. Außerdem hat die Überwachungskamera des Waschsalons eben geliefert." Sie drehte den Monitor. Auf dem Standbild war ein kräftiger Mann mit schwarzem Bart und einer Tätowierung am Hals zu sehen, wie er einen Rucksack in den Trockner legte. „Das ist Berti", sagte Küster. „Den haben wir in der alten Einbruchsserie als Bertram Klotz geführt." Niesel bekam enge Augen. „Klotz. Na, der Name ist Programm."
Niesel rannte zum Telefon. „Adelheid, rufen Sie Trakumond an. Die sollen sofort alle Keycloak-Administratoren abmelden und die Logs sichern, bis unser forensisches Team da ist. Sagen Sie denen, keine Windows-Passwörter mehr bei Notepad++ nebenher zu speichern." Adelheid wählte bereits. „Die haben keine Ahnung, was Sie meinen, Kommissar." Niesel fuchtelte. „Dann erklären Sie es! Oder schicken Sie das Küster-Papier!" Dr. Küster klickte. „Ich kann einen stillen Alarm auf den Notepad++-Prozess legen, falls der Angreifer den Papagei erneut abhört. Dann bekommen wir eine IP." Niesel nickte hektisch. „Machen Sie das! Und beantragen Sie eine Fangschaltung auf diese Handy-Kennung. Ich will, dass Berti beim nächsten Telegramm selbst merkt, dass wir vor seiner Tür stehen." Er schnappte sich die Jacke. „Aber leise, süß, leise."
Bis zum Abend blieb es still, aber das Netz zog sich zu. Dr. Küster hatte die Keycloak-Protokolle von Trakumond gesichert, bevor die Bande sie löschen konnte, und die Kamera aus dem Waschsalon lieferte eine halbe Handynummer, die zum selben Klotz gehörte. Niesel saß am Fenster, den Kaffee kalt, den Blick aufs regennasse Parkdeck. „Jetzt haben wir einen Namen und eine Falle", sagte er leise. „Und dieser Motte hat nur noch bis Freitag, dann ist sein süßer Stick ein Beweisstück mit Empfangsbestätigung." Adelheid reichte ihm ein trockenes Brötchen. „Wenn Sie nicht wieder gegen den Tisch treten." Draußen heulte kurz eine Alarmanlage, irgendwo im Hafenviertel, und Niesel lächelte, weil es nach Fortschritt roch.