Freitagmorgen, 2. Oktober 2026. Ich, Norbert Niesel, saß in einem viel zu engen Café-Stuhl und tat so, als läse ich die Sportzeitung. In Wahrheit hielt ich ein Richtmikrofon unter dem Tisch, das auf den Nebentisch zielte, wo Sigi Stack nervös auf seinen Kaffee starrte. Adelheid von Senff neben mir hatte das unauffälligere Hörnchen gewählt. „Wenn der Kellner noch einmal mit Kamillentee statt Kaffee kommt, schreie ich“, flüsterte ich. Der Kellner kam. Mit Kamillentee. Ich brüllte: „Ich will Kaffee! Kaffee! Nicht dieses warme Blumenwasser!“ Mein Ellenbogen stieß das Mikrofon in den Tee. Adelheid fischte es heraus, als wäre es ein Beweisstück, und trocknete es mit einer Serviette. Genau in dem Moment setzte sich Rainer Raster zu Sigi. „Der Coup gegen Quendalora ist durch“, sagte Raster leise, aber das Mikrofon fing jedes Wort auf – trotz Kamillentee.
Raster beugte sich vor. „Erst die Kiteworks-Plattform. Quendalora nutzt die für den Dateitransfer mit Kunden. Die haben eine ganze Latte von Schwachstellen. Ich habe die [CVE-2026-28269](https://wid.cert-bund.de/portal/wid/securityadvisory?name=WID-SEC-2026-3695) genommen – das ist wie ein Formular, bei dem man einfach das Häkchen ‚Ich bin kein Roboter‘ weglässt, und trotzdem kommt man rein. Damit hatte ich ein Administratorkonto. Kiteworks hatte selbst gewarnt, man solle die Systeme vom Netz nehmen. Quendalora hat es nicht getan. Pech.“ Er grinste. „Dann wollte ich an den Webserver. Da haben sie cPanel und WHM laufen. Die Lücke [CVE-2026-41940](https://wid.cert-bund.de/portal/wid/securityadvisory?name=WID-SEC-2026-3698) ist wie ein Werkzeugkasten, bei dem der Hammer fehlt, aber der Schraubenschlüssel offen daneben liegt. Damit habe ich mir selbst Administratorrechte ausgestellt und konnte eigenen Code ausführen.“ Sigi nickte beeindruckt.
Ich notierte fieberhaft. Raster fuhr fort: „Zum Schluss das Ticketsystem Zammad. Die hatten eine Schwachstelle, bei der man beliebigen Code ausführen kann. [CVE-2026-34724](https://wid.cert-bund.de/portal/wid/securityadvisory?name=WID-SEC-2026-3694) – das ist wie ein Aufzug, der ohne Schlüssel in den Keller fährt. Ich habe mir Root-Rechte geholt und die Kundendaten auf Silbersee geschoben.“ Er klopfte Sigi auf die Schulter. „Und rate, wer immer noch denselben Cloudspeicher nutzt, den die Polizei schon kennt? Wir. Die sind doch zu blöd.“ Sigi schaute nervös. „Vielleicht sollten wir wechseln.“ Raster winkte ab. „Ach was. Bis die merken, dass Quendalora dran ist, haben wir das Geld längst.“ Ich wollte aufspringen und zugreifen, aber da standen die beiden auf, zahlten und verschwanden durch die Küche. Ich brüllte: „Hinterher!“ Aber mein Fuß verfing sich im Kabel des Mikrofons, und ich fiel über den Stuhl. Adelheid half mir hoch. „Sie haben einen Fehler gemacht“, keuchte ich. „Sie nutzen Silbersee weiter.“
Ich rief sofort bei Quendalora an. Herr Potholz, der Sicherheitsbeauftragte, bestätigte den Datenabfluss aus dem Zammad-System. Dr. Küster überwachte unterdessen Silbersee und sah, wie neue Daten eintrafen. Die Upload-IP führte zu einem Rechenzentrum in Oberkassel – keine Mietadresse, sondern ein fester Server. „Wir haben eine IP, ein Opfer und einen Fehler der Bande“, sagte ich. „Jetzt stellen wir eine Falle.“ Das Netz zog sich zu, aber die Schatten-Syntax war noch nicht gefasst. Ich bestellte mir einen doppelten Espresso. Diesmal kam er kalt. Ich schrie. Aber es war ein guter Schrei.