Ein Cartoon-Kommissar beobachtet einen Darknet-Livestream, in dem ein Hacker neben Symbolen für BeyondTrust, einen Linux-Pinguin und Apache Camel prahlt; eine Bahnhofsuhr zeigt Sonntag.
Security Case · Serie von Kai Brenner

KW 42, Kapitel 6: BeyondTrust, Kernel, Camel – Falle am Nordbahnhof

Samstag, 17. Oktober 2026. Kommissar Norbert Niesel starrte auf den Bildschirm, auf dem ein Livestream lief. „Ein Livestream, Küster? Ich dachte, dieser Hacker bevorzugt Sprachnachrichten und Darknet-Formate.“ Dr. Irmgard Küster schüttelte den Kopf. „Er hat im Darknet-Forum einen Link gepostet. Jetzt kommentiert er seinen Angriff live. Ich habe den Stream abgegriffen.“ Niesel rückte den Kopfhörer zurecht, riss dabei das Kabel ab und brüllte: „Diese Technik! Ich verlange ein Faxgerät!“ Adelheid von Senff lehnte an der Tür und trank Kaffee. „Wenn du ein Faxgerät willst, musst du erst die Tastatur trockenlegen, die gestern im Kaffee ertrunken ist.“ Niesel lief rot an, hielt den Kopfhörer mit einer Hand fest und hörte zu.

„Bruno, bist du da? Ich zeig dir mal, wie man bei Aurvendalis, Runde sechs, einsteigt. BeyondTrust Remote Support, das ist das Reservierungsbuch im Nobelrestaurant. Normalerweise prüft der Oberkellner jeden Gast. Ich bin einfach ans Buch getreten, habe mich mit einem falschen Namen eingetragen, CVE-2026-1731, und bin durchgewunken worden – ganz ohne Einladung, ganz ohne Ausweis. Dann der Linux-Kernel, das Herz in der Küche, der Herd, auf dem alle Töpfe stehen. Der Herd hatte neue Macken. Ich habe dem Herd eine Rezeptanweisung untergejubelt, dass meine billige Dose Erbsensuppe ab sofort als Chef-Signaturgericht gilt. Zack, Root – ich war Küchenchef. Und Apache Camel, das ist der Kellner, der die Bestellungen zwischen den Tischen hin- und herträgt. Ich habe dem Kellner einen gefälschten Bon in die Hand gedrückt, CVE-2026-49098, und der hat meine Nachspeise an alle Tische serviert. Rate mal, was in der Nachspeise steckte: die halbe Datenbank von Aurvendalis. Jetzt können sie zahlen, Bruno. Oder sie bleiben auf dem Trockenen sitzen.“

Küster stoppte die Aufnahme. „Im Hintergrund des Streams ist ein Plakat zu sehen: ‚Zum rostigen Gleis – Bahnhofsklause am Nordbahnhof‘. Daneben hängt ein Wandkalender, auf dem für morgen, Sonntag, 18 Uhr, ein Termin eingetragen ist. Ich habe die Bildschirmaufnahme vergrößert: Die Handschrift passt zu Bruno Backstein. Das ist die Kneipe, von der die Kassette stammt.“ Niesel sprang auf. „Dann treffen die sich morgen am Nordbahnhof! Der Kreis zieht sich zu!“ Er rannte zur Tür, stolperte über das abgerissene Headsetskabel und donnerte gegen den Türrahmen. Senff reichte ihm die Kaffeekanne. „Wenn du die mitnimmst, können wir die Observation mit einem Getränkewagen ausstatten.“ Niesel brüllte: „Kein Kaffee! Kein Fax! Nichts! Wir fahren sofort zum Nordbahnhof!“

Am Nordbahnhof roch es nach Diesel und altem Fett. Niesel und Senff betraten die Bahnhofsklause. Ein müder Wirt trocknete Gläser. Niesel hielt ihm ein Foto von Bruno Backstein unter die Nase. Der Wirt nickte. „Der war gestern erst hier. Hat für morgen Abend, 18 Uhr, einen Tisch für drei bestellt. Namen wollte er keinen nennen, aber der eine vom Trio hat sich als M. Morgenrot eingetragen.“ Senff notierte. Niesel trommelte mit den Fingern auf die Theke. „Morgenrot reserviert mit Klarnamen? Die Bande wird leichtsinnig.“ Der Wirt zuckte mit den Schultern. „Der andere hat immer mit dem Finger auf sein Handy gezeigt und gesagt, er ist für das Internet zuständig.“ Niesel telefonierte mit Küster. „Sie bestätigt: Die Überwachungskameras am Nordbahnhof zeigen Backstein und Morgenrot, wie sie am Donnerstag die Kneipe betreten.“ Das war das letzte Puzzlestück. Morgen, Sonntag, 18 Uhr, Nordbahnhof. Die Falle stand.

Als sie zurück ins Präsidium fuhren, regnete es. Niesel starrte aus dem Fenster. „Morgen, Senff, schnappen wir sie. Alle drei.“ Senff goss Kaffee aus einer Thermoskanne in einen Becher. „Dann bestell Brötchen für die Observation. Dein Magen knurrt schon wieder wie ein Linux-Kernel unter Last.“ Niesel brüllte: „Das ist nicht komisch!“ Aber er nahm den Becher. Der Fall blieb offen, doch zum ersten Mal sahen die Restposten-Ritter nicht den Jäger kommen, der ihnen morgen das Netz zuwerfen würde.

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